01.26:

Ich bin ne alte „Limper-Sau“!

Mein erstes Live-Bounty-Turnier.

An einem kalten Freitagabend im Januar fuhr ich mit meinem „Wingman“ Marco zum 100.000er-Bounty der Poker-Bundesliga. Gemeldet waren etwa 20–25 Spieler – also kein Monsterfeld, aber groß genug, um sich ernsthaft Hoffnungen zu machen. Für mich gleich zwei Premieren: Mein erstes Live-Bounty-Turnier und zum ersten Mal hatte ich einen Kumpel gestaked. Mit 25 € war ich zwar noch weit entfernt von Fedor Holz’ „Da bin ich Millionär geworden“, aber jeder beginnt bekanntlich klein.

Dank Feierabendverkehr kamen wir exakt drei Minuten vor Turnierbeginn an. Zehn Minuten später ging es los, verteilt auf zwei 10-Max-Tische. Große Tische sind nicht mein Lieblingsformat – mein VPIP sinkt dort schneller als meine Motivation bei schlechten Karten.

Der erste Aufreger

Als der 21. Spieler erschien, sollte an unserem Tisch ein elfter Platz entstehen. Spieler K. stand auf und verkündete lautstark: „Elf Leute? Da hab’ ich keinen Bock drauf. Öffne einen dritten Tisch!“ Begleitet von Klassikern wie „Was ’n Scheiß“ und „so ’ne Kacke“ verließ er den Raum.

Zum Glück erschienen noch drei weitere Spieler. Ein dritter Tisch wurde eröffnet. Ich wechselte freiwillig. Am alten Tisch hatte ich fast ausschließlich gefoldet – und wenn ich mal etwas Spielbares hatte, kam auf Flop oder Turn eine Bet, die mathematisch ungefähr so einladend war wie ein All-in mit 72o.

Neuer Tisch, neues Glück

Am neuen Tisch war die Stimmung sofort entspannter. Vielleicht weniger Testosteron, vielleicht einfach mehr Humor – keine Ahnung. Zu meiner Linken saß ein älterer Herr, der vor Turnierbeginn ziemlich grimmig wirkte. Mein erster Gedanke: „Der könnte anstrengend werden.“ Fünf Minuten später unterhielten wir uns bestens. Er hieß W. und war sehr sympathisch. Wieder einmal bewiesen: Der erste Eindruck ist nicht immer der richtige!

Kurz darauf bekam ich KK – erst mein zweites Premiumpaar überhaupt in einem Live-Turnier. Mein Gegner raist OOP auf 10.000 Chips, ich 3-bette auf 25.000, er geht All-in.

Mein Gedanke: „Zu 50 % AA.“
Aber: Bounty-Turnier, Gegner loose. Ich callte. Er zeigte QQ.
Der Flop kam dry. Turn OK. River OK. Fast gedoppelt – besser hätte der Abend kaum starten können.

Excalibur ist befreit!

Wenig später schaue ich auf meine Karten – AA. Zwei Asse, 80–85 % Equity gegen die meisten Hände. Pocket Rockets, American Airlines, Bullets. Ich hätte auf dem Tisch tanzen können. Der Tisch hätte das wohl eher nicht überlebt.

Die Reihen lichten sich (nicht)

Der Abend schritt voran, die Blindlevels stiegen – nur die Spielerzahl blieb erstaunlich konstant. Meine Karten danach: Durchschnitt. Steals, Folds, Geduld.

Ich bin ’ne alte Limper-Sau!
Runde 1
Ich raise, er foldet.
Spieler X sagt: „Wenn du jetzt gelimpt hättest, wäre ich All-in gegangen!“
Runde 2
Ich raise, er foldet.
Spieler X sagt: „Wenn du jetzt gelimpt hättest, wäre ich All-in gegangen!“
Runde 3
Ich limpe, er raist. Ich überlege kurz. Ich habe 200.000 Chips, er 30.000. Ich habe K5s in Karo und denke mir das zweite Mal an diesem Abend: „Ach egal! Das hier ist ein Bounty-Turnier!“ Und callte.
Er hatte AJo und auf dem Flop fiel meine 5, die bis zum Ende hielt, und dann, ja, man muss es so sagen, kam ein hollywoodreifer Auftritt vom Spieler. X:


Spieler X: „Mann, was spielst du denn da für einen Mist? Warum gehst du mit K5s mit?“
Ich: „Du weißt aber schon, dass du mich dazu eingeladen hast? Mit deinem ‚Da wäre ich All-in gegangen‘. Zudem ist das hier ein Bounty-Turnier!“
Zwischendurch verweigerte er den Handschlag! Ob der Call lehrbuchmäßig war, sei dahingestellt. Aber live, mit Stackvorteil, Bounty und dieser Einladung – manchmal schreibt der Tisch eben selbst das Drehbuch.
Spieler X: „Scheiß auf Bounty. Für 5 €. Dafür kannst du dir fünf Snickers kaufen!“
Ich: „Wie zuvor erwähnt. Ein BOUNTY‑Turnier und du hast nur noch ein paar BB. Mit K5s hat meine Equity gereicht.“
Spieler X: „Ich hoffe, dass du öfter kommst, so schlecht, wie du spielst!“
Ich: „Ja, aber du bist raus und ich nicht, und ja, ich komme demnächst öfter!“
Spieler X: „Ich habe schon mehr Tip (Trinkgeld) in meinem Leben gezahlt, als du Preisgelder gewonnen hast!“
In dem Moment habe ich einfach abgewinkt und mich wieder dem Spiel gewidmet. Worauf der krönende Abschluss seiner Show kam. Das letzte Fragment, das ich hörte, war:
Spieler X:
„….du alte Limper-Sau!“

Mein erstes Bounty und dann gleich so eine Show

And the Oscar goes to….. „Spieler X”… herzlichen Glückwunsch!

Also, es hätte nicht „unterhaltsamer“ laufen können. Mein erstes Bounty mit so einem Ausgang. Er war übrigens der Einzige, der solch eine Show gemacht hat, am ganzen Abend. Ich würde sagen: Volltreffer!

Final Table und Drecks KTo

Live, mein erster Final Table. Online habe ich schon viele gesehen. Ich hatte nur noch wenige Chips, vielleicht 60.000. Die Blinds waren hoch 10.000 / 20.000. Leider gab es ein Missverständnis mit dem Dealer im BB – 40.000 Chips weg – der Dealer hatte eine meiner Karten offen verteilt und ich ging davon aus, dass die Karten eingesammelt werden, wurden sie aber nicht. Damit war ich zum All-in gezwungen, im Small Blind mit A3o.

Caller: KTo (kenne ich aus Leipzig).
Flop: A-3-9. Turn: Q, River: J.
Mein dritter Bad Beat gegen KTo in fünf Wochen…zum Kotzen. Trotzdem Platz 7. Ein (Hollywood)-Bounty und viele Erfahrungen. Genau deshalb spielen wir Poker.

Illustration zur Limper-Sau-Anekdote am Pokertisch
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