Deutsche Bracelet Meisterschaft 2025 in Leipzig
Während der Entstehung dieses Buches wurde ich in einem Telefonat von Herrn Dr. Dietze, dem Gründer der Poker Bundesliga, gefragt, ob ich an der Veranstaltung im Westin Hotel teilnehmen wolle. Ich überlegte kurz und kam auf die Idee, meine Familie zu fragen. Die Antwort lautete einstimmig: „Was willst du denn in Leipzig?“ Gut, Diskussion beendet.
Tag 1
Mein Kumpel Marco zeigte sofort Interesse, und so wurde das Ganze kurzerhand zur Männertour. Am 27.12.25 war es dann so weit – inklusive einer anhaltenden (und extrem nervigen) Erkältung meinerseits. Ich dachte mir noch optimistisch: „Nach Weihnachten ist die Autobahn bestimmt frei.“ Um es kurz zu machen: NEIN, ist sie nicht! Es erwartete uns eine wilde Mischung aus zu voll, zu schlechtem Wetter und der berechtigten Frage: „Haben die eigentlich alle kein Zuhause?“ Am frühen Nachmittag hielten wir zum Essen an – in einem Restaurant, das offenbar unbewusst den KFC Uerdingen supportete, ohne Schleichwerbung machen zu wollen. Kurz hinter der alten innerdeutschen Grenze löste sich der Stau allmählich auf, und wie so oft war der Asphalt plötzlich wie frisch verlegt. Der Aufbau Ost lässt grüßen. 😊
Nach etwa 400 km fragte ich Marco, ob er auch mal fahren wolle. Offenbar ein denkbar schlechter Zeitpunkt: Erst war es zu hell, dann zu dunkel, dann beides gleichzeitig, dazu nass, kalt und vermutlich auch noch Gegenwind. Etwa 100 km später stand ich schließlich selbst auf dem Parkplatz des Westin Hotels. Einchecken – und direkt das erste Upgrade. Marco wollte zwei Einzelbetten, mir war es egal. Die Betten standen letztlich geschätzt 10–15 Zentimeter auseinander. Eine absolute Top-Investition - Ironie aus.
Als Nächstes gab es – ganz ohne Kameras von RTL oder RTL2 – eine kleine Family-Reunion von Marco und seinem jüngeren Bruder. Nach über zehn Jahren Funkstille lief das Treffen zum Glück reibungslos, und der Kontakt soll nun hoffentlich halten. Zurück im Hotel versuchte ich noch zwei- bis dreimal, mich für das Turnier am nächsten Tag anzumelden. Leider ohne Erfolg – die Antworten variierten. Egal. Dann eben morgen.


Tag 2
Morgens aufstehen. Was für eine Nacht. Die Erkältung war voll da, und Marco durfte sich offenbar über ein kostenloses Schnarchkonzert freuen. Ein perfekter Start in den Tag. Erst einmal das Frühstücksbuffet geplündert, dann zur Anmeldung – zum dritten oder vierten Mal. Offenbar hatten sich spontan deutlich mehr Spieler eingefunden, was in einem Organisationschaos endete. Herr Dr. Dietze entschuldigte sich mehrfach für die Unannehmlichkeiten. Solch einen Ansturm nicht angemeldeter Spieler habe es bisher noch nie gegeben. Ich scheine für solche Situationen ein Händchen zu haben – obwohl wir eigentlich angemeldet waren. Aber gut, so was passiert.
Mit leichter Verspätung ging es schließlich an die Tische. Mein Tisch war extrem tight, während Marco fröhlich von Tisch zu Tisch hüpfte. Ich hätte auch gern gewechselt, denn krank und ein tighter Tisch sind keine Traumkombination. Es begann immerhin vielversprechend: Mein erstes Premiumpaar – KK – im fünften Turnier. Auf dem Flop fällt direkt der dritte König. Board: OK, nicht überragend, aber ein solider Drilling. Ich setzte Turn und River, doch mein Gegenüber machte auf dem River die Straight. Ohne Worte… 🙄. Weiter.
So zog sich das leider durch den gesamten Tag. Hauptsächlich Schrottkarten. Ich spielte sogar Hände wie Q7s aus mittlerer Position (MP), weil ich langsam weg geblindet wurde. Was mich zusätzlich störte: Mein „Lucky Guy“ und der Spieler links von mir unterhielten sich permanent auf Russisch. Vielleicht ging es nur ums Wetter – trotzdem fände ich es fairer, wenn während einer Hand Deutsch oder Englisch gesprochen würde.
Das Turnier endete schließlich konsequent so, wie es enden musste. Ich hatte noch drei Runden bis zu den nächsten Blinds und nahm mir vor, in diesen All-in zu gehen. In der ersten Runde pushte ich TT – alle foldeten. Dann zwei absolute Schrotthände. In der dritten sagte ich: „Blind All-in.“ Ich hoffte auf Action. Natürlich callte mich der Lucky Guy und drehte JJ um. Als ich meine Karten zeigte, musste ich kurz lachen: AKo. Gegen JJ etwa 43 % Equity. Kurzfassung: Kein Ass, kein König, raus!
Fairerweise: Ich habe nicht gut gespielt. Ob es an einem anderen Tisch besser gelaufen wäre, werde ich wohl nie erfahren. Marco hielt sich noch wacker, kam sogar erstmals in einem Turnier weiter als ich – aber etwa eine Stunde später war auch er raus.


Zweiter Versuch
Sammeln, stärken, Pizza essen, ausruhen – und dann Late Registration. OK, so late war sie nicht, aber etwa 45 Minuten nach Start waren wir wieder an den Tischen. Zunächst saßen Marco und ich zu viert an einem Tisch. Meine Range war grauenhaft, aber ich brachte über drei Viertel meiner Hände durch und baute mir ein kleines Chippolster auf. Der Tisch füllte sich, die Range wurde wieder „normal“ und ich hatte meinen Stack fast verdoppelt – dann wurde der Tisch aufgelöst. Neuer Tisch, ganz andere Klientel. Ohne Nationalitäten zu nennen: Deutlich lauter. Ich passte meine Range nach unten an – viele spielten schlechte Karten extrem aggressiv. Kurz darauf nahm ich zwei Spieler vom Tisch, Stack: etwa 170.000 Chips.
Ich überlegte kurz, auf die Bubble zu warten, entschied mich aber dagegen – auch weil ich weiterhin spielbare Karten bekam. Im Nachhinein hätte ich es besser getan. Rechts von mir setzte sich ein Spieler mit rund 20.000 Chips. Mein Lucky Guy Nr. 2. Er gewann mehrere All-ins mit eher fragwürdigen Händen. Kurz darauf waren wir im Heads-up. Ich hielt AJo IP, floppe das Ass, Turn bringt den Jack. Two Pair. Ich setzte hoch, vermutete eine Ax-Hand. River: Ich bette – er zeigt KTo = Straight. Große Teile des Stacks weg.
Kurz darauf der nächste Nervenmoment: Ich decke JJ auf – mein zweites Premiumpaar in sechs Turnieren, doch alles wird zurückgezogen. Der Dealer hatte den Big Blind vergessen. Ich hatte kurz Zuckungen im Arm in Richtung Ohrfeigenbaum, aber sie legten sich erstaunlich schnell.
Danach war mein Glück endgültig aufgebraucht! Wieder das gleiche Szenario: Entweder All-in oder die Blinds fressen mich auf. Ich pushe AQo IP. Lucky Guy Nr. 2 callt erneut mit KTo. Flop: T. Ende. Echt zum Kotzen. Zwei Bad Beats gegen den gleichen Spieler und gegen die gleiche Hand. Marco hielt auch dieses Mal etwa eine halbe Stunde länger durch.
Fazit des Tages
Es ist schwer, etwas zu gewinnen, wenn die Karten einfach nicht treffen. Einerseits kann ich mich damit trösten, nicht allzu viele grobe Fehler gemacht zu haben und mit eher mittelmäßigen Karten vernünftig gespielt zu haben. Andererseits nervt konstantes Kartenpech einfach nur. Hoffen wir auf einen besseren Ausgang im Jahr 2026.


